Geschichte & Gemeinde
Petrikirche
Am Newski Prospekt 22–24 steht die St. Petrikirche — die größte lutherische Kirche Russlands. Seit den 1990er Jahren ist sie wieder das geistliche Zuhause der deutschen evangelisch-lutherischen Gemeinde St. Anna und St. Peter.
Von der Hauskapelle zur Stadtkirche
Die Geschichte beginnt 1704 mit der ersten lutherischen Kirche in der Peter-und-Paul-Festung. Auf dem linken Newa-Ufer sammelte sich bald eine zweite, überwiegend deutschsprachige lutherische Gemeinde. Ein Vizeadmiral stellte ihr eine hölzerne Kapelle in seinem Hof zur Verfügung — aus dieser Keimzelle entstand die spätere St.-Petri-Gemeinde.
Am 27. Dezember 1727 erlaubte ein Ukas Peters II. den Bau von Kirche, Schule und Pfarrhaus am damaligen Newski Prospekt. Der Grundstein wurde am 29. Juni 1728 gelegt, am Fest der Apostel Petrus und Paulus. Am 14. Juni 1730 weihte Pastor Nazzius die Kirche. Doch schon im frühen 19. Jahrhundert war das Gebäude baufällig und für die wachsende Gemeinde zu klein; 1833 wurde es abgetragen.
Alexander Brjullows Bauwerk
1833 gewann Alexander Brjullow den Wettbewerb um einen Neubau. Am 21. August 1833 wurde der Grundstein gelegt, fünf Jahre später, am Reformationstag 1838, wurde die Kirche geweiht. Der Bau am Newski Prospekt verbindet eine romanische Basilika mit Formen des russischen Klassizismus und gilt bis heute als größte lutherische Kirche Russlands.
Zur Ausstattung gehörten wertvolle Kunstwerke: Hans Holbeins „Christus und der ungläubige Thomas“, 1707 vom Hofmaler J. F. Groth gestiftet, und Karl Brjullows großes Gemälde „Christus am Kreuz“. Von 1895 bis 1897 ließ die Gemeinde den Innenraum unter Leitung von Maximilian Messmacher restaurieren. 1862 zählte sie 17 600 Mitglieder, 1912 bereits 21 000.
Verlust und Schweigen
Die Revolution von 1917 brachte einen Bruch. Viele Gemeindeglieder verließen Russland, das Kirchengebäude und sein Besitz wurden enteignet. In den 1920er Jahren fanden noch Gottesdienste statt, doch die Repressionen gegen Christen aller Konfessionen nahmen zu.
Am Heiligabend 1937 standen die Gemeindeglieder vor verschlossenen Türen. Die Pastoren Paul und Bruno Reichart wurden verhaftet und 1938 erschossen. Nach der Schließung wurden die Kunstwerke verteilt: Holbein kam in die Eremitage, Brjullows Gemälde in das Russische Museum. Der Verbleib der großen Walcker-Orgel ist bis heute ungeklärt. In den 1940er und 1950er Jahren dienten die Räume als Lager, 1962 wurde im Gebäude ein Schwimmbad eröffnet.
Rückkehr und neues Leben
Im Juni 1993 wurde die Petrikirche der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland zurückgegeben; bereits am 31. Oktober 1992 hatte hier wieder ein Gottesdienst stattgefunden. Am 16. September 1997 wurde die Kirche als Bischofskirche der Heiligen Petrus und Paulus neu geweiht. Im dritten Obergeschoss entstand ein deutsch-russisches Begegnungszentrum.
Heute ist die Petrikirche wieder ein lebendiger Ort: Gottesdienste, Orgelkonzerte, Führungen, Kinder- und Jugendarbeit, Diakonie und Gemeindeleben gehören zum Alltag. Das Gebäude ist zugleich ein Denkmal der Geschichte der Deutschen in Sankt Petersburg.
Die Gemeinde St. Anna und St. Peter
Der Name verbindet zwei historische Gemeinden der Stadt: St. Anna, deren Kirche an der Kirowskaja-Straße steht, und St. Peter am Newski Prospekt. Die heutige Gemeinde versteht sich in der Tradition der deutschsprachigen lutherischen Christen und ist zugleich international und offen.
Gottesdienste werden auf Deutsch und Russisch gefeiert; Chöre, Orgelmusik, Konfirmandenarbeit und diakonische Angebote wie die Kleiderkammer prägen das Leben. Aus diesem Umfeld stammt auch das Projekt Evangelisches Gesangbuch, das auf dieser Seite vorgestellt wird: Lieder, die in der Petrikirche erklingen, mit Texten, Melodien und Notenbildern.
Innenansichten
Kirche und Gemeinde